Cristina Liedtke slammt!

Der vierte Poetry Slam am Gymnasium Voerde brachte eine Neuerung mit sich: Die Wortkünstler aus Voerde maßen ihr Können mit Schülern des Max-Planck-Gymnasiums aus der Landeshauptstadt. 2010 hatten Lehrerin Karen Schneider und Poetry-Slammer Helge Goldschläger die Veranstaltung “Raus mit der Sprache” am Gymnasium Voerde etabliert.

Ich fand, es war Zeit für eine Veränderung“, erklärt die Deutschlehrerin. Über ihren Mitorganisator kam der Kontakt zum Gymnasium in Düsseldorf zustande, und die Idee eines Wettbewerbs unter den Schülern war geboren. Ein Dichterwettstreit zwischen Landeshauptstadt und ländlicher Umgebung. “Das Ziel soll sein, sich auf der Bühne auszuprobieren und Spaß zu haben. Wir sehen das mit dem Wettstreit nicht so verbissen“, sagt Helge Goldschläger.

Spaß scheinen die Teilnehmer des Dichterwettstreits durchaus zu haben. Und auch das Publikum bekommt ein abwechslungsreiches Programm geboten. Von kritischen Anmerkungen zum Online-Dating bis zu Einblicken in den Sportunterricht aus Sicht eines Turngeräts ist hier besonders viel Humorvolles zu finden. Da mutieren die Schüler auf dem Pausenhof zu wilden Tiere und Rebellen rebellieren gegen das Rebellentum.

Allerdings gibt es hier nicht nur einfache Erzählungen, sondern auch Interaktion mit dem Publikum. “Ich nehme den Weg über den Blumenerde in Kauf, um in ihren Topf…erm…Kopf Ideen einzupflanzen“, sagt Schüler Armin und lässt sich über die Beeinflussung der Gedanken der Zuschauer durch seine eigenen Worte aus, um mit fulminanter Denkakrobatik zu schließen. Die Abräumerin des Abends ist allerdings Wagma. Die 19-Jährige hat nicht nur ihren eigenen Fanclub im Publikum sitzen, sondern auch einen Text im Gepäck, der mit witziger Sprachkritik beginnt, sich dann allerdings in eine schnell vorgetragene und mit Wortwitz durchsetzte Abrechnung mit der Gesellschaft steigert. “Die Krankheit der Welt ist der Mensch“, lautet das Fazit, vom Publikum mit einem tosenden Applaus kommentiert. Die zu den Zuschauern gehörenden Punkterichter zücken Bestnoten: 50 Punkte für die Voerderin. Die maximal mögliche Punktzahl und damit auch der Tagessieg. “Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt die Schülerin, die zwei Tage lang an ihrem Text gearbeitet hat.

Bei der Benotung haben die Slam-Teilnehmer aus Voerde einen kleinen Heimvorteil. Das Publikum ist ihnen recht gut gesonnen und zückt gerne mal hohe Wertungen – und so schneiden die Düsseldorfer Schüler ein wenig schlechter ab. Allerdings dürfen sie ja auch noch vor ihrem Heimatpublikum auf die Bühne. “Morgen geht es für die zweite Runde nach Düsseldorf“, sagt Helge Goldschläger. Dort werden für das Gymnasium Voerde allerdings andere Teilnehmer antreten. “Wir hatten so viele Schüler, die mitmachen wollten, dass wir das ein wenig aufteilen mussten“, erklärt Lehrerin Karen Schneider. Auch in Düsseldorf soll der Spaß an der Sache im Vordergrund stehen.

Der Artikel ist am 27.9.2013 auf rp-online.de erschienen.

Eindrücke vom GV Poetry Slam 2013